Nachgefragt bei Sven Sürgand – sechs Wochen sportliche Leitung

Sven Sürgand hat seit sechs Wochen zusammen mit Thomas Müller kommissarisch die sportliche Leitung beim SV Reute übernommen, nachdem Niklas Klawitter aus beruflichen und privaten Gründen kürzer tritt. Wir haben bei Sürgand nach den ersten Eindrücken, den Strategien und Zielen nachgefragt.

SVR-online: Sven, seit dem 01.08.2026 hast Du gemeinsam mit Thomas Müller kommissarisch die sportliche Leitung beim SV Reute übernommen. Wie haben sich die ersten sechs Wochen für Dich angefühlt?
Sven: Die ersten sechs Wochen waren intensiv, aber sehr positiv. Thomas und ich haben uns viel ausgetauscht und geschaut, an welchen Stellen wir die bereits guten Strukturen im Verein weiterentwickeln können. Außerdem haben wir für eine einheitlichere Außendarstellung neue Präsentationskleidung organisiert. Daneben standen viele Gespräche mit Spielern und reger Austausch mit Trainern auf dem Programm. Auch im Torspielertraining haben wir erste strukturelle Anpassungen vorgenommen. Insgesamt konnten wir in kurzer Zeit bereits einige wichtige Themen anstoßen.
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SVR-online: Als die Anfrage kam, die Aufgabe zu übernehmen, musstest Du vermutlich nicht lange überlegen. Was hat Dich motiviert, Verantwortung für den Verein zu übernehmen?
Sven: Ehrlicherweise musste ich mir die Entscheidung einige Tage überlegen. Als Trainer war ich bisher immer direkt bei einer Mannschaft tätig, und auch zum Saisonbeginn 2026/27 lagen mir einige interessante und reizvolle Anfragen vor. Von Anfang Juli bis heute war es für mich jedoch noch nicht möglich, nach einem festen Zeitplan zu arbeiten. Deshalb passte die Anfrage für die kommissarische Übernahme der sportlichen Leitung zu diesem Zeitpunkt besser zu meiner Lebenssituation, da sie mir die notwendige Flexibilität bot.
Außerdem bespreche ich ein solches Engagement immer mit meiner Familie. Und für mich war von Anfang an klar, dass ich diese Aufgabe nur gemeinsam mit Thomas übernehmen würde. So fiel die Entscheidung letztlich, Verantwortung zu übernehmen und den Verein in dieser Situation zu unterstützen.
Ob das langfristig meine Rolle sein wird, wird die Zukunft zeigen.
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SVR-online: Niklas Klawitter hat die sportliche Leitung aus privaten und beruflichen Gründen abgegeben. Wie war die Übergabe und was konntest Du aus seiner bisherigen Arbeit mitnehmen?
Sven: Niklas hat große Spuren hinterlassen und dem Verein ein stabiles Fundament aufgebaut. Dafür gebührt ihm großer Respekt. Auf dieser Basis möchten Thomas und ich nun Schritt für Schritt aufbauen, bestehende Strukturen weiterentwickeln und unsere eigenen Ideen einbringen.
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SVR-online: Ihr habt nun einige Wochen Einblick in sämtliche sportlichen Themen. Was waren Eure ersten Eindrücke rund um Mannschaft, Trainerteam und Verein?
Sven: Thomas und ich kennen den Verein durch unsere aktive Zeit sowie unsere bisherigen Tätigkeiten beim SV Reute sehr gut. Mit Jonas stehen wir bereits seit unserer gemeinsamen Zeit als A-Junioren-Trainer in engem Austausch. Auch die Mannschaft war für uns kein Fremdkörper. Ich habe tatsächlich jeden Spieler des aktuellen Erstmannschaftskaders bereits selbst in der Jugend oder im Aktivenbereich trainiert. Das hat den Einstieg für uns natürlich erleichtert und geholfen, schnell Vertrauen und einen guten Austausch zu haben.
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SVR-online: Welche Themen standen in den vergangenen Wochen ganz oben auf Eurer Prioritätenliste?
Sven: Wir haben nicht nach Prioritäten A, B oder C gearbeitet, sondern die Themen angepackt, die gerade anstanden. Dabei ging es vor allem darum, sich einen Überblick zu verschaffen, viele Gespräche zu führen und dort anzusetzen, wo wir direkt etwas bewegen konnten.
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SVR-online: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Thomas Müller und wie habt Ihr die Aufgaben untereinander aufgeteilt?
Sven: Thomas und ich ticken sehr ähnlich. Deshalb haben wir die Aufgaben nicht strikt aufgeteilt, sondern tauschen uns eng aus und kümmern uns gemeinsam um die Themen, die gerade anstehen. Das funktioniert bisher sehr gut.
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SVR-online: Die Saison ist mittlerweile gestartet. Wie zufrieden bist Du mit dem bisherigen Verlauf?
Sven: Mit dem Saisonstart können wir nicht zufrieden sein. Nach der starken Vorsaison, in der wir lange Tabellenführer waren und am Ende Dritter wurden, sind wir als Mitfavorit in die neue Saison gestartet. Diesem Anspruch sind wir bisher nicht gerecht geworden. Dabei war unser Auftritt in Grünkraut über 70 Minuten gut und dominant. Wir führten verdient mit 2:0, haben das Spiel aber durch mehrere völlig unnötige und vermeidbare Fehler noch aus der Hand gegeben. Das ist bitter und darf uns in dieser Form nicht passieren.
Gleichzeitig müssen wir die Situation realistisch einordnen. Mit Justin Matt und Kevin Kraus haben wir 45 Torbeteiligungen aus der Vorsaison verloren und sechs Spieler aus der A-Jugend integriert. Das braucht Zeit. Vor dem Spiel gegen Weißenau haben wir den Saisonstart in einer Mannschaftssitzung offen analysiert. Der Sieg danach hat uns allen das Gefühl gegeben, dass es aufwärtsgeht. Umso enttäuschender ist die Niederlage in Grünkraut.
Mit einem Sieg dort wären wir weiterhin in der Jägerrolle hinter dem Spitzentrio gewesen, diese ist nun erst einmal in weite Ferne gerückt. Jetzt gilt es, aus den Fehlern zu lernen, als Mannschaft enger zusammenzurücken und über 90 Minuten konzentriert und mutig aufzutreten. Sollte es in diesem Jahr am Ende nicht reichen, richten wir den Blick trotzdem nach vorne – die Planungen für das Projekt 2028 laufen bereits.
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SVR-online: Wo siehst Du aktuell die größten Baustellen innerhalb der Mannschaft?
Sven: In unserer Konsequenz und im Umgang mit Fehlern. Wir machen uns das Leben teilweise selbst schwer und bringen uns durch einfache individuelle Fehler um den Lohn für eigentlich gute Leistungen. Gerade in engen Spielen fehlt uns momentan die nötige Abgeklärtheit. Daran müssen wir arbeiten. Gleichzeitig sehe ich aber genug Qualität in der Mannschaft, um diese Dinge zu verbessern.
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SVR-online: Gibt es Bereiche, in denen Ihr noch Entwicklungspotenzial seht?
Sven: Entwicklungspotenzial gibt es immer. Oder wie der Schwabe sagt: „Ma ka aus jedem Äckerle no a bissle meh raushola.“ Genauso sehen wir das auch beim SV Reute. Es gibt viele gute Dinge, aber eben auch immer Bereiche, die man Schritt für Schritt weiterentwickeln muss.
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SVR-online: Wie nimmst Du die Stimmung innerhalb der Mannschaft und im Umfeld des Vereins aktuell wahr?
Sven: Die Stimmung in der Mannschaft und im Verein ist grundsätzlich gut. Natürlich haben wir auch ein paar „Hallodris“ dabei, die das Wochenende gerne mal etwas ausgiebiger genießen. Solange die Einstellung im Training und am Spieltag stimmt, gehört das für mich zum Amateurfußball dazu. Nach Niederlagen ist die Stimmung natürlich gedämpft – da springt niemand freudestrahlend durch die Gegend. Wichtig ist, dass wir danach schnell wieder den Blick nach vorne richten.
Nach dem dürftigen Saisonstart gab es natürlich auch kritische Stimmen. Das ist völlig normal. Ich kann aber versprechen, dass jeder Einzelne alles dafür tut, unsere Fans mit Einsatz, Leidenschaft und möglichst auch mit einem Lächeln nach Hause zu schicken.
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SVR-online: Der SV Reute zeichnet sich seit Jahren durch Zusammenhalt und Identifikation aus. Wie wichtig sind diese Werte für den sportlichen Erfolg?
Sven: Miteinander geht’s leichter als gegeneinander. Diese Werte habe ich aus meiner aktiven Zeit mitgenommen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie heute nicht mehr selbstverständlich sind. Umso wichtiger ist es, Zusammenhalt, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung immer wieder vorzuleben und einzufordern.
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SVR-online: Was erwartest Du und Thomas von der Mannschaft in den kommenden Wochen und Monaten?
Sven: Wir erwarten von uns, dass wir in allen Bereichen konstanter werden und unser Potenzial endlich über 90 Minuten auf den Platz bringen. Unser Ziel muss es sein, uns als Mannschaft weiterzuentwickeln, die Fehlerquote zu reduzieren und unsere Leistungen konstanter abzurufen. Wenn uns das gelingt, werden wir am Ende sehen, wo wir in der Tabelle landen.
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SVR-online: Welche Rolle spielen die jungen Spieler und die eigene Jugendarbeit in Euren Planungen?
Sven: Die jungen Spieler sind für uns enorm wichtig, denn sie sind die Zukunft des SV Reute. Jeder Einzelne zählt, egal ob er in der Startelf steht, auf der Bank sitzt oder verletzt am Spielfeldrand an der Mannschaft ist. Gleichzeitig stehen wir bei den A- und B-Junioren vor der Herausforderung, dass die Kader in dieser Saison nicht besonders breit besetzt sind und eventuell schwierige Spieltage auf uns zu kommen könnten.
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SVR-online: Gibt es bereits erste Ideen oder Projekte, die Ihr als sportliche Leitung künftig vorantreiben möchtet?
Sven: Wir müssen uns nichts vormachen: Der Kontakt nach oben ist erst einmal abgerissen. Unser Fokus liegt jetzt auf der laufenden Saison. In der Winterpause schauen wir, wo wir stehen und welche Ziele für die Rückrunde realistisch sind. Gleichzeitig wollen wir erste Gespräche und Planungen für das Projekt 2028 vorantreiben.
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SVR-online: Wenn Du auf die nächsten ein bis zwei Jahre blickst: Wo soll der SV Reute sportlich und strukturell stehen?
Sven: Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich aktuell nur kommissarisch in dieser Rolle tätig und kann heute noch nicht sagen, wohin mein persönlicher Weg führen wird. Unabhängig davon sollte das Ziel des SV Reute sein, sich sportlich wieder in der Kreisliga A zu etablieren. Dort gehört der Verein aus meiner Sicht hin. Strukturell ist der SV Reute bereits sehr gut aufgestellt und organisiert.
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SVR-online: Was ist Euch persönlich in Eurer neuen Rolle besonders wichtig?
Sven: Thomas und mir sind vor allem Ehrlichkeit und ein offener Austausch wichtig. Wir möchten für Spieler, Trainer und Verantwortliche jederzeit ansprechbar sein und Entscheidungen transparent kommunizieren. Außerdem ist es uns wichtig, die Werte, die den SV Reute auszeichnen, wie Zusammenhalt, Identifikation und Vereinsleben, vorzuleben und weiterzugeben – so wie wir es gelernt haben!
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SVR-online: Welche Botschaft möchtest Du den Fans, Mitgliedern, Sponsoren und allen Helfern des SV Reute mit auf den Weg geben?
Sven: Danke an alle, die uns unterstützen und dem SV Reute die Treue halten – daheim genauso wie auswärts. Gerade in schwierigen Phasen zeigt sich, was einen Verein ausmacht. Wir werden weiter alles geben, um den SV Reute bestmöglich zu vertreten und den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiterzugehen.
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SVR-online: Wie lautet Dein persönliches Fazit nach den ersten sechs Wochen als sportlicher Leiter beim SV Reute?
Sven: Die ersten sechs Wochen haben gezeigt, dass im Verein viel Potenzial steckt. Gleichzeitig gibt es in einigen Bereichen noch viel Luft nach oben. Genau daran werden wir in den kommenden Monaten weiterarbeiten.
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SVR-online: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wenn Du unabhängig von Tabellen, Aufstiegen oder sportlichen Zielen einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?
Sven: Ich habe in den vergangenen Monaten gelernt, dass Gesundheit wichtiger ist als alles andere. Deshalb wäre mein größter Wunsch, mit 52 Jahren noch einmal das Trikot der Zweiten überzustreifen und gemeinsam mit meinem Sohn ein paar Minuten auf dem Fußballplatz zu stehen. Das war immer unser kleiner Vater-Sohn-Traum und wäre für mich etwas ganz Besonderes.

SVR-online: Sven – vielen Dank für das ausführliche und offene Gespräch.

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